B. Besondere Bestimmungen für die Gewinnung und Verdichtung

§ 22
Verdichter

(1) An Sauerstoff-Verdichtern müssen folgende Angaben deutlich erkennbar und dauerhaft angebracht sein:
1.Hersteller, Lieferer oder Einführer,
2.Typenbezeichnung,
3.Herstell-Nummer,
4.Herstell-Jahr,
5.Volumenstrom,
6.zulässiger Verdichtungsenddruck (Überdruck) in Bar
a) bei Verdrängerverdichtern für jede Stufe,
b) bei Turboverdichtern für jedes Gehäuse,
7.Ansaugdruck (Überdruck) in Bar, falls oberhalb atmosphärischem Druck angesaugt wird,
8.höchste Betriebsdrehzahl je Minute.

DA

(2) Jede Stufe eines Verdrängerverdichters, jeder einzeln absperrbare Zylinder einer Stufe sowie jedes Gehäuse eines Turboverdichters muß mit einer Sicherheitseinrichtung gegen Drucküberschreitung ausgerüstet sein. Diese Sicherheitseinrichtung darf durch Absperreinrichtungen nicht unwirksam gemacht werden können. Sie muß ferner so beschaffen und eingestellt sein, daß der Überdruck, für den das jeweilige Bauteil bemessen ist, um nicht mehr als 10 % überschritten wird. Diese Sicherheitseinrichtung ist bei Gehäusen von Turboverdichtern und bei mehrstufigen Verdrängerverdichtern für deren einzeln nicht absperrbare Stufen vor der Endstufe nicht erforderlich, wenn die gleiche Sicherheit durch die Auslegung und Ausführung des Verdichters erreicht wird. DA

(3) Jede Stufe und jeder einzeln absperrbare Zylinder eines Verdrängerverdichters sowie jedes Gehäuse eines Turboverdichters müssen mit Überdruckmeßgeräten ausgerüstet sein, die von einer Stelle aus ablesbar sein müssen, an der Versicherte nicht gefährdet werden können.

(4) Geschlossene Kühlflüssigkeitssysteme zum Kühlen von Bauteilen der Verdichter müssen mit Einrichtungen ausgerüstet sein, die sicherstellen, daß der Druck, für den das Kühlflüssigkeitssystem ausgelegt ist, nicht überschritten wird.

(5) Die Auslegungsdrücke nach den Absätzen 2 und 4 und die Verdichtungsendtemperaturen jeder Stufe und jedes Gehäuses müssen mit den zugehörigen Betriebsbedingungen in der Betriebsanleitung angegeben sein. DA

(6) Werkstoffe für Kolbenringe, Manschetten und Stopfbuchspackungen, die brennbare Bestandteile enthalten, dürfen nur verwendet sein, wenn sie von einem von der Berufsgenossenschaft anerkannten Prüfinstitut mit dem Ergebnis geprüft worden sind, daß sie sich für die Verwendung bei den Betriebsbedingungen eignen. DA

(7) Wassergeschmierte Hubkolben-Verdichter müssen in allen Teilen, die von dem mit Schmierwasser durchsetzten Sauerstoff berührt werden, aus Werkstoffen bestehen, die schwer entzündbar und korrosionsbeständig sind. DA

(8) Wassergeschmierte Hubkolben-Verdichter müssen mit einer Einrichtung ausgerüstet sein, die dauernd eine ausreichende Schmierwasserversorgung gewährleistet. Diese Verdichter müssen außerdem so beschaffen oder eingerichtet sein, daß Wasserschläge nicht auftreten können. DA

(9) Bei Trockenlauf-Hubkolbenverdichtern, bei Membranverdichtern und bei Turboverdichtern muß sichergestellt sein, daß die Möglichkeit der Entstehung von Bränden eingeschränkt und daß im Falle eines Brandes dessen Ausweitung selbsttätig verhindert ist. DA

(10) Saug- und Druckventile von Hubkolben- oder von Membranverdichtern müssen vor ihrem Einbau auf funktionsgerechten Zusammenbau geprüft worden sein. DA

(11) An Hubkolben- oder an Membranverdichtern müssen Ventile zusammen mit Ventilnestern so beschaffen sein, daß ein falscher Einbau nicht möglich ist. DA


DA zu § 22 Abs. 1:

Diese Forderung ist erfüllt, wenn die Daten auf einem Schild angegeben sind, das bruchfest und korrosionsbeständig sowie sicher befestigt ist.

Verdrängerverdichter sind insbesondere Hubkolben- und Membranverdichter.

Der Volumenstrom eines Verdrängerverdichters ist die hinter dem Druckstutzen beim zulässigen Verdichtungsenddruck gemessene Gasmenge pro Zeiteinheit, umgerechnet auf die am Ansaugstutzen herrschenden Temperaturen und Drücke. Der Verdichtungsenddruck wird bei Hubkolben-Verdichtern im Druckstutzen jeder Stufe gemessen. Bei Turboverdichtern wird üblicherweise der Auslegungs-Volumenstrom angegeben.

Der zulässige Verdichtungsenddruck ist der vom Verdichter erzeugte und im Druckstutzen gemessene Überdruck, mit dem der Verdichter betrieben werden darf.

Die Dimension des Volumenstromes wird in m³/min, m³/h oder l/min angegeben; siehe DIN 1313 "Physikalische Größen und Gleichungen; Begriffe, Schreibweisen".


DA zu § 22 Abs. 2:

Diese Forderung ist hinsichtlich Sicherheitseinrichtungen gegen Drucküberschreitung erfüllt, wenn
Sicherheitsventile,
Berstsicherungen,
druckgesteuerte Einrichtungen, deren Wirksamkeit nachprüfbar ist oder
Überströmventile oder Abblaseinrichtungen, die eine Entspannung in den Saugraum oder in die Atmosphäre ermöglichen,

vorhanden sind.

Die Sicherheitseinrichtungen gegen Drucküberschreitung werden bei einem Druck wirksam, der zwar betriebsbedingt oberhalb des zulässigen Verdichtungsenddruckes, aber nicht über dem Druck liegt, für den der Verdichter ausgelegt ist. Der Auslegungsdruck wird in der Betriebsanleitung angegeben.

Die gleiche Sicherheit ohne eine Sicherheitseinrichtung wird durch die Auslegung und Ausführung des Verdichters, z. B. bei Turboverdichtern erreicht, wenn diese festigkeitsmäßig für den bei geschlossener Druckleitung auftretenden und von den ungünstigen Betriebsverhältnissen abhängigen höchstmöglichen Förderdruck ausgelegt sind.

Ein Wegfall der Sicherheitseinrichtungen gegen Drucküberschreitung bei einzelnen Stufen kommt dann in Betracht, wenn die Sicherheitseinrichtung an der Endstufe mehrstufiger Verdichter angebracht ist und alle Stufen für den gleichen Druck wie die Endstufe ausgelegt sind.


DA zu § 22 Abs. 5:

Betriebsbedingungen sind z. B. Saugdruck, Kühlwassertemperatur, Druckverhältnis.


DA zu § 22 Abs. 6:

Anerkannt ist die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Unter den Eichen 87, 12205 Berlin.

Die Prüfung stellt sicher, daß nur solche Werkstoffe mit brennbaren Bestandteilen zum Einsatz kommen, bei denen unter den jeweiligen Betriebsbedingungen keine Reaktion mit Sauerstoff zu erwarten ist. Die Gefahr einer solchen Reaktion liegt nicht vor, wenn bei wassergeschmierten Sauerstoff-Verdichtern die Werkstoffe dauernd vom Schmierwasser benetzt sind.


DA zu § 22 Abs. 7:

Als schwerentzündbare und korrosionsbeständige Werkstoffe haben sich Kupfer, Kupferlegierungen und nichtrostender Stahl bewährt. Diese Werkstoffe zeichnen sich wenigstens durch zwei der folgenden Eigenschaften aus:
hohe Entzündungstemperatur,
hohe Wärmeleitfähigkeit,
hohe spezifische Wärmekapazität,
niedrige Verbrennungswärme.

Die Anforderungen an die Werkstoffe beziehen sich nicht auf die Verdichterteile, die außerhalb der vom Drucksauerstoff beaufschlagten Räume liegen, da hier entstehende Korrosionsprodukte zu keiner Entzündung führen können.


DA zu § 22 Abs. 8 Satz 1:

Eine solche Einrichtung ist z. B. ein Strömungswächter, der bei Schmierwassermangel oder -ausfall selbsttätig den Antrieb des Verdichters abschaltet.


DA zu § 22 Abs. 9:

Diese Forderung ist erfüllt, wenn
1.für jede Stufe eine Einrichtung vorhanden ist, die bei Überschreiten der betriebsmäßigen Verdichtungsendtemperatur ein Warnsignal auslöst und vor Überschreiten der zulässigen, vom Hersteller angegebenen Verdichtungsendtemperatur den Antriebsmotor abschaltet,
2.in der Druckleitung, möglichst nahe am Verdichter, ein Rückschlagventil vorhanden ist und bei Verdichtern mit einem Vordruck (Überdruck) von mehr als 1 bar auf der Saugseite zusätzlich eine schnell schließende Absperreinrichtung vorhanden ist, die gleichzeitig mit der Motorabschaltung selbsttätig schließt,
3.Ventilplatten möglichst kerbfrei hergestellt sind; um Ventilplattenbrüche rechtzeitig zu erkennen, kann die Anordnung von Temperaturfühlern zweckmäßig sein,
4.bei Trockenlauf-Hubkolbenverdichtern mit Kohle- oder Kunststoffringen die Führung des Kolbens so ausgeführt ist, daß ein Anlaufen des Kolbenkörpers oder der Spannfedern für die Dichtelemente sowie der Kolbenstange an den Stopfbuchskammern verhindert ist,
5.bei Labyrinth-Hubkolbenverdichtern die Kolben oder die Mäntel aus Werkstoffen bestehen, die die Reibungswärme ausreichend abführen, z. B. Kupferlegierungen,
6.bei Turboverdichtern mit einem Verdichtungsenddruck (Pumpgrenzdruck) bis höchstens 2 bar
a) die Labyrinthe aus Werkstoffen bestehen, die beim Anstreifen leicht verformbar sind und die entstehende Wärme gut abführen
und
b) auch im Fall eines Lagerschadens ein gefahrloses Auslaufen des Verdichters sichergestellt ist,
7.bei Turboverdichtern mit einem Verdichtungsenddruck (Pumpgrenzdruck) über 2 bar Überdruck zusätzlich nach jedem Austritt aus dem Gehäuse bzw. vor jedem Eintritt in einen Kühler, Einrichtungen vorhanden sind, die bei Überschreiten der betriebsmäßigen Verdichtertemperatur ein Warnsignal auslösen, vor Überschreiten der zulässigen, vom Hersteller angegebenen Verdichtungsendtemperatur den Antrieb sofort abschalten, selbsttätig die Sauerstoffzu- und Sauerstoffableitungen schließen, die Abblasventile öffnen. Es empfiehlt sich zusätzlich, die Verdichter mittels ölfreier Luft oder ölfreiem Inertgas zu spülen.


DA zu § 22 Abs. 10:

Die Art der Überprüfung der Ventile hat nach Angabe des Herstellers zu erfolgen.


DA zu § 22 Abs. 11:

Ein falscher Einbau ist z. B. ein Vertauschen von Saug- und Druckventilen. Es kann dazu führen, daß der Verdichter zerbirst. Zu der Baueinheit von Ventilen mit Ventilnestern gehören auch die zugehörigen Befestigungselemente wie Glocken und Deckel.